Kernaussagen des Artikels:
Der Artikel erläutert die Rechtsgrundlagen, den Geltungsbereich, die Begriffsbestimmungen sowie die Anforderungen der EMV-Richtlinie 2014/30/EU einschließlich der Pflichten im Rahmen der Konformitätsbewertung.
- Die EMV-Richtlinie 2014/30/EU harmonisiert in der EU die Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit von Geräten.
- Ziel: Die Geräte dürfen andere nicht stören und müssen gegen Störungen in ihrer Einsatzumgebung unempfindlich sein.
- Der Anwendungsbereich umfasst ein breites Spektrum elektrischer und elektronischer Geräte, darunter Industrieautomation und Telekommunikation.
- Schlüsselbegriffe: EMC, Störungen (leitungsgebunden und abgestrahlt), Störfestigkeit, Emission, elektromagnetische Umgebung
- Die grundlegenden Anforderungen betreffen Emission und Störfestigkeit; Hersteller müssen Prüfungen und Bewertungen durchführen sowie die technische Dokumentation führen.
Die EMC-Richtlinie 2014/30/EU gehört zu den grundlegenden Regelwerken, die in der Industrie Anwendung finden. Ziel dieses Artikels ist es, detaillierte Informationen zur Richtlinie 2014/30/EU über die elektromagnetische Verträglichkeit (EMC) bereitzustellen. Der Beitrag erläutert die wesentlichen Aspekte der Richtlinie, darunter ihren Anwendungsbereich, die Anforderungen, Konformitätsbewertungsverfahren sowie die Pflichten von Herstellern und Händlern.
Die EMC-Richtlinie spielt eine zentrale Rolle dabei, sicherzustellen, dass elektrische und elektronische Geräte ohne elektromagnetische Störungen funktionieren. Das ist nicht nur für die Sicherheit der Nutzer wichtig, sondern auch für die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit elektronischer Systeme in unterschiedlichen Umgebungen, darunter in der Industrie, in Haushalten und in öffentlichen Einrichtungen.
EMC-Richtlinie: Rechtliche Grundlagen
Legislativer Kontext
Die Europäische Union erlässt Richtlinien als grundlegenden Mechanismus der rechtlichen Regulierung, den die Mitgliedstaaten in ihre nationalen Rechtssysteme umsetzen müssen. Die Richtlinie 2014/30/EU wurde verabschiedet, um die Vorschriften zur elektromagnetischen Verträglichkeit in der gesamten EU zu harmonisieren und gemeinsame Standards sowie Verfahren sicherzustellen.
Geschichte der Richtlinie
Die Vorschriften zur elektromagnetischen Verträglichkeit haben sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Frühere Richtlinien wie die Richtlinie 89/336/EWG wurden schrittweise aktualisiert und ersetzt, um mit dem technologischen Fortschritt und den sich wandelnden Marktanforderungen Schritt zu halten. Die aktuelle Richtlinie 2014/30/EU ist das Ergebnis dieser fortlaufenden Aktualisierungen, die einen besseren Schutz vor elektromagnetischen Störungen gewährleisten sollen.
EMC-Richtlinie: Anwendungsbereich und Definitionen
Anwendungsbereich
Die EMC-Richtlinie erfasst ein breites Spektrum elektrischer und elektronischer Geräte, die elektromagnetische Störungen verursachen können oder dafür anfällig sind. Dazu zählen sowohl Verbraucherprodukte als auch professionelle Geräte. Gemäß der Richtlinie müssen diese Geräte so konstruiert sein, dass sie keine elektromagnetischen Störungen aussenden, die den Betrieb anderer Geräte beeinträchtigen können, und zugleich gegen elektromagnetische Störungen in ihrer Betriebsumgebung ausreichend unempfindlich sind.
Die Richtlinie umfasst unter anderem:
- Elektronische Geräte: Fernseher, Computer, Mobiltelefone, Audio- und Videogeräte, Haushaltsgeräte.
- Elektrische Geräte: Motoren, Generatoren, Industrieanlagen, medizinische Geräte.
- Telekommunikationssysteme: Drahtlose Netze, Funksysteme, Geräte zur Datenübertragung.
- Geräte der Industrieautomatisierung: SPS-Steuerungen, Industriecomputer für SCADA-Systeme, Sensoren und andere Komponenten, die in der Automatisierung von Produktionsprozessen eingesetzt werden.
Einige Geräte können vom Anwendungsbereich der Richtlinie ausgenommen sein, wenn sie anderen spezifischen Vorschriften zur elektromagnetischen Verträglichkeit unterliegen. So können beispielsweise Geräte für die Luftfahrt oder den Weltraumeinsatz gesonderten Regelungen unterfallen.
Wichtige Definitionen
Um die Anforderungen der EMC-Richtlinie besser zu verstehen, ist es wichtig, sich mit den im Dokument enthaltenen zentralen Definitionen vertraut zu machen:
- Elektromagnetische Verträglichkeit (EMC): Die Fähigkeit eines Geräts, in seiner elektromagnetischen Umgebung ordnungsgemäß zu funktionieren, ohne bei anderen Geräten unzulässige Störungen zu verursachen. Das bedeutet, dass das Gerät keine elektromagnetischen Störungen aussenden darf, die den Betrieb anderer Geräte beeinträchtigen können, und zugleich gegen solche aus der Umgebung stammenden Störungen unempfindlich sein muss.
- Elektromagnetische Störungen: Alle unerwünschten elektromagnetischen Signale, die den Betrieb anderer Geräte beeinträchtigen können. Dabei kann es sich um leitungsgebundene Störungen (über Versorgungsleitungen übertragen) oder abgestrahlte Störungen (in Form elektromagnetischer Wellen ausgebreitet) handeln.
- Elektromagnetische Störfestigkeit: Die Fähigkeit eines Geräts, bei Vorhandensein elektromagnetischer Störungen ohne Leistungseinbußen zu funktionieren. Das bedeutet, dass das Gerät auch bei elektromagnetischen Störungen aus seiner Umgebung ordnungsgemäß arbeiten können muss.
- Elektromagnetische Emission: Die Abgabe elektromagnetischer Energie durch ein Gerät, die Störungen bei anderen Geräten verursachen kann. Diese Emissionen können aus dem normalen Betrieb des Geräts resultieren oder auf eine fehlerhafte Konstruktion zurückzuführen sein.
- Elektromagnetische Umgebung: Die konkreten elektromagnetischen Bedingungen, für die ein Gerät zum Betrieb ausgelegt ist. Dazu können unterschiedliche Störpegel gehören, wie sie etwa in häuslichen, industriellen oder medizinischen Umgebungen auftreten.
Die EMC-Richtlinie verpflichtet Hersteller sicherzustellen, dass ihre Produkte sowohl die Anforderungen an die Emission als auch an die Störfestigkeit gegenüber elektromagnetischen Störungen erfüllen.
Um Konformität zu erreichen, müssen Hersteller geeignete Prüfungen und Bewertungen durchführen sowie die technische Dokumentation erstellen und aufbewahren, die die Übereinstimmung des Produkts mit der Richtlinie belegt.
EMV-Richtlinie: Grundlegende Anforderungen
Grundlegende Anforderungen
Die EMV-Richtlinie stellt Anforderungen sowohl an die Emission elektromagnetischer Störungen als auch an die Störfestigkeit. Das bedeutet, dass Geräte so ausgelegt sein müssen, dass sie elektromagnetische Störungen möglichst gering halten und zugleich ein angemessenes Maß an Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Störeinflüssen aufweisen.
Die Anforderungen an die Emission elektromagnetischer Störungen umfassen:
- Leitungsgebundene Emissionen: Elektromagnetische Störungen, die über Versorgungsleitungen übertragen werden und andere Geräte beeinflussen können, die an dasselbe Netz angeschlossen sind.
- Abgestrahlte Emissionen: Elektromagnetische Störungen, die von einem Gerät in Form elektromagnetischer Wellen ausgesendet werden und den Betrieb anderer Geräte in der Nähe beeinträchtigen können.
Die Störfestigkeit gegenüber elektromagnetischen Störungen umfasst:
- Störfestigkeit gegen leitungsgebundene Störungen: Die Fähigkeit eines Geräts, trotz über Versorgungsleitungen übertragener Störungen ordnungsgemäß zu funktionieren.
- Störfestigkeit gegen abgestrahlte Störungen: Die Fähigkeit eines Geräts, trotz elektromagnetischer Störungen aus der Umgebung ordnungsgemäß zu funktionieren.
Harmonisierte Normen
Harmonisierte Normen spielen eine Schlüsselrolle bei der Erfüllung der Anforderungen der EMV-Richtlinie. Dabei handelt es sich um technische Normen, die von europäischen Normungsorganisationen wie CENELEC (Europäisches Komitee für elektrotechnische Normung) und ETSI (Europäisches Institut für Telekommunikationsnormen) erarbeitet werden und von der Europäischen Kommission als mit den Anforderungen der Richtlinie vereinbar anerkannt sind.
Beispiele für zentrale harmonisierte Normen:
- EN 61000-6-1: „Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 6-1: Fachgrundnormen – Störfestigkeit für Wohnbereich, Geschäfts- und Gewerbebereiche sowie Kleinbetriebe“. Diese Norm legt Anforderungen an die Störfestigkeit von Geräten in typischen Wohn- und Geschäftsumgebungen fest.
- EN 61000-6-3: „Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 6-3: Fachgrundnormen – Störaussendung für Wohnbereich, Geschäfts- und Gewerbebereiche sowie Kleinbetriebe“. Diese Norm legt Grenzwerte für elektromagnetische Emissionen von Geräten fest, die in Wohn- und Geschäftsumgebungen eingesetzt werden.
- EN 61000-4-2: „Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 4-2: Prüf- und Messverfahren – Prüfung der Störfestigkeit gegen die Entladung statischer Elektrizität“. Diese Norm legt Verfahren zur Prüfung der Störfestigkeit von Geräten gegen elektrostatische Entladungen fest, die in unterschiedlichen Arbeitsumgebungen auftreten können.
- EN 61000-4-3: „Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 4-3: Prüf- und Messverfahren – Prüfung der Störfestigkeit gegen hochfrequente elektromagnetische Felder“. Diese Norm legt Verfahren zur Prüfung der Störfestigkeit von Geräten gegen abgestrahlte elektromagnetische Felder fest, die in unterschiedlichen Arbeitsumgebungen auftreten können.
- EN 55032: „Elektromagnetische Verträglichkeit von Multimediageräten – Anforderungen an die Störaussendung“. Diese Norm legt Anforderungen an elektromagnetische Emissionen für Multimediageräte wie Fernseher, Computer und Audio-/Videogeräte fest.
| Normnummer | Titel der Norm | Beschreibung |
|---|---|---|
| DIN EN 61000-6-1 | Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 6-1: Fachgrundnormen – Störfestigkeit für Wohnbereiche, Geschäfts- und Gewerbebereiche sowie Kleinbetriebe | Die Norm legt Anforderungen an die Störfestigkeit von Geräten gegenüber elektromagnetischen Störungen in Wohn- und Geschäftsbereichen fest. |
| DIN EN 61000-6-3 | Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 6-3: Fachgrundnormen – Störaussendung für Wohnbereiche, Geschäfts- und Gewerbebereiche sowie Kleinbetriebe | Die Norm legt Grenzwerte für elektromagnetische Emissionen von Geräten fest, die in Wohn- und Geschäftsbereichen eingesetzt werden. |
| DIN EN 61000-4-2 | Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 4-2: Prüf- und Messverfahren – Prüfung der Störfestigkeit gegen elektrostatische Entladungen | Die Norm legt Verfahren zur Prüfung der Störfestigkeit von Geräten gegen elektrostatische Entladungen fest. |
| DIN EN 61000-4-3 | Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 4-3: Prüf- und Messverfahren – Prüfung der Störfestigkeit gegen gestrahlte elektromagnetische Felder im Frequenzbereich von 80 MHz bis 6 GHz | Die Norm legt Verfahren zur Prüfung der Störfestigkeit von Geräten gegen gestrahlte elektromagnetische Felder fest. |
| DIN EN 61000-4-4 | Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 4-4: Prüf- und Messverfahren – Prüfung der Störfestigkeit gegen schnelle transiente elektrische Störgrößen/Burst | Die Norm legt Verfahren zur Prüfung der Störfestigkeit von Geräten gegen schnelle transiente elektrische Störgrößen (Impulse) fest. |
| DIN EN 61000-4-5 | Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 4-5: Prüf- und Messverfahren – Prüfung der Störfestigkeit gegen Stoßspannungen | Die Norm legt Verfahren zur Prüfung der Störfestigkeit von Geräten gegen Stoßspannungen fest. |
| DIN EN 61000-4-6 | Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 4-6: Prüf- und Messverfahren – Prüfung der Störfestigkeit gegen leitungsgeführte Störgrößen, induziert durch hochfrequente elektromagnetische Felder | Die Norm legt Verfahren zur Prüfung der Störfestigkeit von Geräten gegen leitungsgeführte Störgrößen fest, die durch hochfrequente elektromagnetische Felder induziert werden. |
| DIN EN 61000-4-11 | Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 4-11: Prüf- und Messverfahren – Prüfung der Störfestigkeit gegen Spannungseinbrüche, Kurzzeitunterbrechungen und Spannungsschwankungen | Die Norm legt Verfahren zur Prüfung der Störfestigkeit von Geräten gegen Spannungseinbrüche, Kurzzeitunterbrechungen und Spannungsschwankungen fest. |
| DIN EN 55032 | Elektromagnetische Verträglichkeit von Multimediageräten – Anforderungen an die Störaussendung | Die Norm legt Anforderungen an elektromagnetische Emissionen von Multimediageräten fest, etwa Fernsehern, Computern und Audio-/Videogeräten. |
| DIN EN 55024 | Elektromagnetische Verträglichkeit von informationstechnischen Einrichtungen – Anforderungen an die Störfestigkeit | Die Norm legt Anforderungen an die Störfestigkeit informationstechnischer Einrichtungen gegenüber elektromagnetischen Störungen fest. |
Die Anwendung harmonisierter Normen ist nicht verpflichtend, gibt Herstellern jedoch die Sicherheit, dass ihre Produkte die Anforderungen der EMV-Richtlinie erfüllen. Werden harmonisierte Normen angewendet, kann der Hersteller die Konformität seiner Produkte mit der Richtlinie erklären, was das Konformitätsbewertungsverfahren und das Inverkehrbringen des Produkts erleichtert.
Diese Normen werden regelmäßig aktualisiert, um den technologischen Fortschritt und veränderte Marktbedingungen zu berücksichtigen. Hersteller müssen die neuesten Fassungen der Normen im Blick behalten, um die Konformität ihrer Produkte mit den aktuellen Anforderungen der Richtlinie sicherzustellen.
EMV-Richtlinie: Konformitätsbewertungsverfahren
Methoden der Konformitätsbewertung
Hersteller können zwischen mehreren Methoden zur Bewertung der Konformität ihrer Produkte mit der EMV-Richtlinie wählen. Welche Methode geeignet ist, hängt von der Art des Geräts und dem potenziellen Risiko im Zusammenhang mit seiner Verwendung ab. Die wichtigsten Konformitätsbewertungsverfahren sind:
- Interne Fertigungskontrolle: Der Hersteller überwacht den Produktionsprozess eigenständig, um die Einhaltung der Anforderungen der Richtlinie sicherzustellen. Diese Methode wird bei Produkten mit geringem Risiko elektromagnetischer Störungen angewendet. Der Hersteller muss eine technische Dokumentation erstellen, die die Konformität des Produkts mit den Anforderungen der Richtlinie bestätigt, und eine Konformitätserklärung ausstellen.
- EU-Baumusterprüfung: Diese Methode wird bei Produkten mit höherem Risiko elektromagnetischer Störungen angewendet. Der Hersteller übergibt ein Produktmuster an eine unabhängige notifizierte Stelle, die die Konformitätsbewertung auf Grundlage von Prüfungen und der Analyse der technischen Dokumentation durchführt. Erfüllt das Produkt die Anforderungen der Richtlinie, stellt die notifizierte Stelle eine Bescheinigung über die EU-Baumusterprüfung aus. Anschließend muss der Hersteller eine interne Fertigungskontrolle durchführen, um sicherzustellen, dass alle hergestellten Exemplare dem genehmigten Baumuster entsprechen.
- Umfassende Qualitätssicherung: Diese Methode wird bei Produkten mit sehr hohem Risiko elektromagnetischer Störungen angewendet. Der Hersteller führt ein Qualitätsmanagementsystem ein, das mit internationalen Normen wie ISO 9001 übereinstimmt und alle Produktionsphasen von der Konstruktion bis zu den abschließenden Prüfungen umfasst. Die notifizierte Stelle führt regelmäßige Audits des Qualitätsmanagementsystems durch, um sicherzustellen, dass der Hersteller ein hohes Maß an Konformität mit den Anforderungen der EMV-Richtlinie aufrechterhält.
Technische Dokumentation
Die technische Dokumentation ist ein zentrales Element des Konformitätsbewertungsverfahrens. Sie muss sorgfältig erstellt werden und alle erforderlichen Informationen enthalten, darunter:
- Produktbeschreibung: Eine detaillierte Beschreibung des Geräts, einschließlich seines Verwendungszwecks, seiner Funktionen und seiner technischen Spezifikationen.
- Schemata und technische Zeichnungen: Diagramme, Zeichnungen und Schaltbilder, die den Aufbau des Geräts und seiner Komponenten darstellen.
- Risikoanalyse: Bewertung der Risiken und potenziellen Gefährdungen im Zusammenhang mit der Verwendung des Geräts sowie eine Beschreibung der Maßnahmen, die zur Minimierung dieser Gefährdungen ergriffen wurden.
- Testergebnisse: Prüfberichte über Tests, die durchgeführt wurden, um die Konformität des Geräts mit den Anforderungen der EMC-Richtlinie zu bewerten. Diese Tests können sowohl Emissionsprüfungen als auch Prüfungen der Störfestigkeit gegenüber elektromagnetischen Störungen umfassen.
- Harmonisierte Normen: Eine Liste der harmonisierten Normen, die angewendet wurden, um die Anforderungen der Richtlinie zu erfüllen.
- Konformitätserklärung: Eine formale Erklärung des Herstellers, dass das Produkt alle Anforderungen der EMC-Richtlinie erfüllt. Diese Erklärung muss von einer im Unternehmen bevollmächtigten Person unterzeichnet werden.
Die technische Dokumentation muss vom Hersteller nach dem Inverkehrbringen des Produkts für einen bestimmten Zeitraum aufbewahrt werden, in der Regel für mindestens 10 Jahre. Sie muss den Marktüberwachungsbehörden auf Verlangen ebenfalls zugänglich gemacht werden.
Der Hersteller ist dafür verantwortlich, dass die technische Dokumentation vollständig und korrekt ist. Stellen die Aufsichtsbehörden Nichtkonformitäten fest, kann der Hersteller verpflichtet werden, Korrekturmaßnahmen zu ergreifen, etwa das Produkt vom Markt zu nehmen oder Änderungen an seiner Konstruktion vorzunehmen.
Die Konformitätsbewertung nach der EMC-Richtlinie ist ein komplexer, mehrstufiger Prozess, der von den Herstellern Sorgfalt und Genauigkeit verlangt. Die Wahl der geeigneten Methode zur Konformitätsbewertung hängt von der Art des Geräts und dem mit seiner Verwendung verbundenen Risikoniveau ab. Die technische Dokumentation spielt im Konformitätsbewertungsprozess eine Schlüsselrolle, und ihre sorgfältige Erstellung und Aufbewahrung ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass das Produkt alle Anforderungen der EMC-Richtlinie erfüllt.
EMC-Richtlinie: Pflichten von Herstellern und Händlern
Pflichten der Hersteller
Hersteller sind dafür verantwortlich, Geräte in Übereinstimmung mit den Anforderungen der EMC-Richtlinie zu entwickeln und herzustellen. Sie müssen geeignete Prüfungen und Kontrollen durchführen, um sicherzustellen, dass ihre Produkte die Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit erfüllen.
Pflichten von Importeuren und Händlern
Auch Händler und Importeure haben die Pflicht sicherzustellen, dass die auf den Markt gebrachten Produkte der Richtlinie entsprechen. Sie müssen die entsprechende Dokumentation aufbewahren und bei etwaigen Problemen mit den Marktüberwachungsbehörden zusammenarbeiten.
EMC-Richtlinie: Marktüberwachung
Marktkontrolle
Die Marktüberwachung ist ein wesentlicher Bestandteil der Sicherstellung der Konformität mit der EMC-Richtlinie. Die nationalen Aufsichtsbehörden sind dafür verantwortlich, den Markt zu überwachen und Maßnahmen zu ergreifen, wenn Produkte festgestellt werden, die nicht mit der Richtlinie übereinstimmen.
Abhilfemaßnahmen
Abhilfemaßnahmen können die Rücknahme von Produkten vom Markt sowie die Verhängung von Sanktionen gegen Hersteller umfassen, die die Vorschriften nicht einhalten. Wird eine Nichtkonformität festgestellt, können die Aufsichtsbehörden vom Hersteller außerdem verlangen, Korrekturmaßnahmen zu ergreifen.
EMC-Richtlinie und andere Richtlinien in der Industrie
In der Industrieautomatisierung spielen neben der EMC-Richtlinie auch andere Richtlinien eine wichtige Rolle, die darauf abzielen, die Sicherheit und technische Konformität von Geräten und Systemen sicherzustellen. Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, die sich auf die Maschinensicherheit konzentriert, legt Anforderungen an die Auslegung und Konstruktion von Maschinen sowie von Produktionslinien und deren Komponenten fest, um den Schutz von Gesundheit und Sicherheit der Nutzer zu gewährleisten. Die Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU regelt Fragen der elektrischen Sicherheit von Geräten, die in Spannungsbereichen von 50 bis 1000 V bei Wechselstrom sowie von 75 bis 1500 V bei Gleichstrom betrieben werden.
Auch die Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU ist von zentraler Bedeutung, da sie Druckgeräte und Baugruppen erfasst, die unter Druck betrieben werden, darunter verschiedene Arten von Behältern, Rohrleitungen, Kesseln und andere Druckkomponenten. Jede dieser Richtlinien erfordert – ebenso wie die EMC-Richtlinie – eine Risikobeurteilung, die Einhaltung harmonisierter Normen sowie eine entsprechende CE-Zertifizierung, was für die Gewährleistung von Sicherheit und Zuverlässigkeit in industriellen Umgebungen entscheidend ist.
Zukunft der EMC-Richtlinie
Bevorstehende Änderungen
Mögliche künftige Änderungen der EMC-Richtlinie können sich aus dem technologischen Fortschritt und den sich wandelnden Marktbedingungen ergeben. Die Einführung neuer Technologien wie des Internets der Dinge (IoT) oder 5G kann eine Aktualisierung der Vorschriften zur elektromagnetischen Verträglichkeit erforderlich machen.
Technologische Innovationen
Neue Technologien können die Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit beeinflussen. So kann etwa die Entwicklung autonomer Fahrzeuge, intelligenter Haushaltsgeräte sowie fortschrittlicher Kommunikationssysteme neue Ansätze für EMC-Prüfungen und Zertifizierungen erfordern.
Wesentliche Schlussfolgerungen
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte des Artikels, einschließlich der Bedeutung der EMC-Richtlinie für die Sicherheit und Effizienz elektronischer Geräte, der zentralen Anforderungen sowie der Konformitätsbewertungsverfahren.
Bedeutung der Richtlinienkonformität
Hervorhebung der Bedeutung der Einhaltung der Vorschriften der EMC-Richtlinie, um einen sicheren und zuverlässigen Betrieb von Geräten in unterschiedlichen Umgebungen zu gewährleisten.
EMC-Richtlinie: Zentrale Anforderungen und Herausforderungen für Ingenieure
Dies ist die EU-Richtlinie zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV). Ihr Ziel ist es sicherzustellen, dass elektrische und elektronische Geräte funktionieren, ohne Störungen zu verursachen, und gegenüber Störeinflüssen aus der Umgebung unempfindlich sind.
Sie umfasst ein breites Spektrum elektrischer und elektronischer Geräte, die elektromagnetische Störungen verursachen oder gegenüber solchen Störungen empfindlich sein können, sowohl im Verbraucher- als auch im professionellen Bereich. Genannt werden unter anderem Unterhaltungselektronik, Industrieanlagen, Telekommunikationssysteme sowie die industrielle Automatisierungstechnik (z. B. PLC).
Die Anforderungen betreffen die elektromagnetische Emission und die Störfestigkeit. Das Gerät muss die Emissionen (leitungsgebunden und abgestrahlt) minimieren und trotz Störungen (leitungsgebunden und abgestrahlt) ordnungsgemäß funktionieren.
Elektromagnetische Störungen sind unerwünschte Signale, die den Betrieb anderer Geräte beeinträchtigen können (leitungsgebunden oder gestrahlt). Die elektromagnetische Emission ist die von einem Gerät abgegebene Energie, und die elektromagnetische Störfestigkeit ist die Fähigkeit, bei Vorhandensein solcher Störungen ohne Leistungseinbußen zu funktionieren.
Harmonisierte Normen unterstützen die Erfüllung der Anforderungen der Richtlinie, da davon ausgegangen wird, dass sie diesen Anforderungen entsprechen. Im Text wird darauf hingewiesen, dass sie unter anderem von CENELEC und ETSI ausgearbeitet werden; als Beispiel wird EN 61000-6-1 genannt.